Geschäftsjahr 2018: Raffinerie Heide blickt zurück Beim Raffineriegespräch zog Geschäftsführer Jürgen Wollschläger Bilanz und berichtete über die Weichenstellungen für eine „grüne Zukunft“

Hemmingstedt. Rund 180 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie aus regionalen und überregionalen Verbänden und Institutionen kamen heute zum Raffineriegespräch in das Stadttheater Heide. Moderatorin Antonia Wellmann begrüßte die zahlreichen Gäste und führte durch den abwechslungsreichen Abend. Zunächst zog Raffinerie-Geschäftsführer Jürgen Wollschläger Bilanz, was das zurückliegende Geschäftsjahr angeht: 2018 stand im Zeichen sehr volatiler Marktentwicklungen. „Diese Volatilität ist für uns nicht überraschend, sie hat das hinter uns liegende Jahr aber besonders spannend gemacht“, berichtete Jürgen Wollschläger. So folgte im Hinblick auf das Margenumfeld auf den Jahrestiefpunkt im Oktober schon im November der beste Wert des Jahres. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 2,3 Milliarden Euro. Mit 4,2 Millionen Tonnen verarbeitetem Rohöl wurde 2018 ein gutes Ergebnis eingefahren.

Im Geschäftsjahr 2018 investierte das Unternehmen 27,5 Millionen Euro in die Modernisierung und Instandhaltung der Produktionsanlagen. Diese wiederum wiesen im letzten Jahr eine Verfügbarkeit von 96 Prozent und eine Auslastung von 83 Prozent auf. „Mit der Investitionssumme und gutem Teamwork haben wir in 2018 maßgeblich die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. So wurde nicht nur in den Erhalt des Bestehenden investiert, sondern es wurden auch zukunftsweisende Projekte ausgebaut“, erläuterte Jürgen Wollschläger. In den kommenden Monaten stehen die Schifffahrtindustrie und mit ihr auch die Erdölraffinerien vor großen Veränderungen. Ab dem 1. Januar 2020 muss die Schifffahrt neue, erheblich niedrigere Grenzwerte in ihren Schwefelemissionen einhalten – so gibt es die Verordnung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) vor. Ein Weg ist der Einsatz von Treibstoffen mit maximal 0,5 Prozent Schwefelgehalt statt bisher 3,5 Prozent. Schon heute ist die Raffinerie Heide in der Lage, diese neue Spezifikation zu erfüllen. „Darüber hinaus kommen uns vor allem unsere Ausrichtung auf Mitteldestillate und die hohe Komplexität unserer Raffinerie zugute. So werden wir den Markt auch künftig optimal bedienen“, betonte Jürgen Wollschläger mit Blick in Richtung Zukunft.

Außerdem ist die Raffinerie Heide in 2018 mit der Aufnahme der Forschungsarbeit an dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt KEROSyN 100 einen deutlichen Schritt in Richtung „grüne Zukunft“ gegangen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Herstellung von umweltfreundlichem, synthetischem Kerosin durch die Nutzung von Windenergie. Synthetische Kraftstoffe seien die Zukunft, da ist sich Jürgen Wollschläger sicher. Ein weiterer Baustein ist der Projektantrag für das Reallabor Westküste 100 im Rahmen des Ideenwettbewerbes „Reallabore der Energiewende“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Herzstück des Reallabors Westküste 100 ist die Installation und der anschließende Betrieb einer 20–25 Megawatt-Elektrolyseanlage auf dem Grundstück der Raffinerie Heide, die so eine hohe Menge an konventionell erzeugtem Wasserstoff durch grünen Wasserstoff ersetzen kann.

Die „grüne Zukunft“ – insbesondere des Raffineriestandortes hier in Dithmarschen – war auch zentrales Thema des Abends. Unter der Überschrift „Retten synthetische Kraftstoffe die Energiewende?“ diskutierten Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt, stv. Generaldirektor der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission in Brüssel, Thomas Puls, Senior Economist für Verkehr und Infrastruktur am Institut der Deutschen Wirtschaft, Dirk Burmeister, Vorstand der Entwicklungsagentur Region Heide, und Jürgen Wollschläger die Herausforderungen des Pariser Klimaabkommens für die Mobilität in Deutschland und damit auch für die Mineralölraffinerien des Landes. Zahlreiche Fragestellungen waren Teil der Diskussionsrunde: Wird Mobilität zum Luxusgut? Drohen Flächenländer – wie Schleswig-Holstein – zu den Verlierern der Energiewende zu werden? Welche Rolle werden synthetische Kraftstoffe spielen? Und welche Rolle wird eine Mineralölraffinerie in der Energiewende spielen? Diese und weitere Fragen wurden vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen und Möglichkeiten diskutiert.

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